Die Such-Spirale

Bettina Wulff möchte nicht, dass im Google-Suchfeld automatisch negative Begriffe hinter ihrem Namen erscheinen, wenn man ihren Namen in das Suchfeld eingibt:

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„Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor – sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben“, so ein Google-Sprecher laut SPON.

Das stimmt wohl nicht ganz. Denn wenn man als Google-Nutzer auf die Suchbegriffe klickt, die von der sogenannten Autocomplete- oder Suggest-Funktion vorgeschlagen wurden, dann hat man zumindest den hinteren Teil der Begriffe nicht selber eingegeben, sondern von Google übernommen: Weil sie einem von Google vorgeschlagen wurden, oder treffender auf Englisch „suggested“, auf Deutsch also suggeriert wurden.

Das führt dann dazu, dass der Google-Algorithmus mitzählt, dass die (von ihm selber vorgeschlagenen) Begriffe noch öfter „eingegeben“ wurden. Mit der Folge, dass er sie noch öfter vorschlägt. So wird aus der Autosuggestion-Funktion eine Self-fulfilling Prophecy bzw. das Gegenteil der Schweigespirale: Weil immer mehr Menschen die Begriffe vorgeschlagen wurden, nach denen andere bereits gesucht haben, suchen immer mehr mehr Menschen nach diesen Begriffen, obwohl sie das ursprünglich gar nicht vor hatten, so dass diese Begriffe dann immer weiter nach oben rutschen im Ranking der bereits gesuchten und damit wiederum vorzuschlagenden Begriffe und dann noch öfter gesucht werden.

Der Vorschlag, diese Begriffe zu suchen, stammt von Google und von niemand anderem sonst. Die Begriffe mögen ursprünglich andere gesucht haben. Aber nicht die anderen, sondern Google schlägt mir vor, auch nach diesen Begriffen zu suchen.

Bei beleidigenden Begriffen bedeutet das: Google verbreitet die Beleidigungen anderer.

Nachtrag: Verblüffenderweise kommen die beiden von Google an erster und zweiter Stelle vorgeschlagenen Suchbegriffe („Prostituierte“ und „Escort“) in den eigenen Insights von Google nicht einmal vor. Hier das Ergebnis, wenn man „Bettina Wulff“ über Google Insights auswertet:

Nachtrag zum Nachtrag: Die Erklärung für dieses Paradoxon dürfte sein, dass Google Insights for Search „Suchbegriffe, deren Inhalt eindeutig sexuell sein könnte“ herausfiltert. Und dann fordert Google noch explizit zur Mithilfe auf:

„Die Top-Suchanfragen enthalten keinen Content für Erwachsene, außer der eingegebene Suchbegriff bezieht sich auf derartige Contents. Leider sind Filter nicht 100 Prozent sicher. Die meisten unangemessenen Inhalte sollten jedoch herausgefiltert sein. Da dieser Inhalt gelegentlich nicht aus den Top-Suchanfragen herausgefiltert wird, melden Sie uns bitte eventuelle Vorkommen, damit wir diese untersuchen können.“

Bettina Wulff wollte helfen – aber Google will sich von ihr nicht helfen lassen. Die eigene Statistik wird von Google „sauber „gehalten. Dort gibt es keine „Prostituierte“ und kein „Escort“. In den Google-Suchvorschlägen aber schon. Da steht „Prostituierte“ und  „Escort“ – direkt hinter Bettina Wulff.

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3 Antworten zu Die Such-Spirale

  1. focion schreibt:

    „Das führt dann dazu, dass der Google-Algorithmus mitzählt, dass die (von ihm selber vorgeschlagenen) Begriffe noch öfter “eingegeben” wurden.“

    Sicher? Das wäre ja völlig absurd. Dass der Algorithmus so schlecht programmiert ist kann ich mir fast nicht vorstellen. Gibts dafür tatsächlich Anhaltspunkte? Links?

  2. Bernd Henning schreibt:

    „Prostituierte“ gibt es durchaus auch in Google Insight, vgl. mein Kommentar auf LEAD (http://www.lead-digital.de/start/specials/sem_trends/seo_experte_wette_so_setzen_sie_googles_autocomplete_funktion_zu_ihrem_vorteil_ein):

    Es ist verblüffend schwierig, die folgende Aussage aus dem obigen Beitrag zu bestätigen: „Am Beispiel von Frau Wulff sieht man ganz deutlich, dass aufgrund der sehr häufigen Eingabe des Begriffs „Bettina Wulff Prostituierte“ in den letzten Tagen…“.
    Denn laut Google Insights gehört „Prostituierte“ nicht einmal zur Top-10 der häufigsten Suchbegriffe zu „Bettina Wulff“, auch nicht zur Top-10 der zunehmenden Suchanfragen. In einem Blog (https://vdsetal.wordpress.com/2012/09/09/die-such-spirale/ ) wurde bereits spekuliert, ob Google Insights diesen Begriff als „eindeutig sexuell“ rausfiltert. Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein, da er in Google Insights bei der Suche nach „Bettina Wulff Prostituierte“ dann doch als „Bettina Körner Prostituierte“ gelistet wird.
    Und auch der zeitliche Verlauf für „Bettina Wulff Prostituierte“ liefert keinen Hinweis auf vermehrte Suchen nach diesem Begriff. Im Gegenteil: Von März bis August war das Interesse daran gleich Null, erst nachdem das Thema in die Medien kam steigt das Interesse sprunghaft an.
    Auch der Google Adwords Traffic Estimator liefert keine Hinweise darauf, dass sehr oft nach „Bettina Wulff Prostituierte“ gesucht wurde. Die Trafficprognose beträgt nur eine tägliche Impression, für „Bettina Wulff“ (ohne „Prostituierte“) dagegen 51 (übrigens mit auch der besseren Klickrate).
    Den einzigen bestätigenden Hinweis liefert das Google Adwords Keyword Tool: Demnach wurde monatlich global 49.500 mal nach „Bettina Wulff Prostituierte“ gegoogelt, aber 246.000 mal nach „Bettina Wulff“.
    Und das ließe sich auch dahingehend interpretieren, dass 246.000 mal „Prostituierte“ suggeriert wurde, als nach „Bettina Wulff“ gesucht wurde – bis es zur Selffulfilling Prophecy wurde. Ein wenig schmeichelhafter Algorithmus.

  3. Amira Passarge schreibt:

    Was ist denn das Problem?!?! Ich selber bin eine Germanistikstudentin und arbeite SEHR gerne als Prostituierte, jeder weiß es, dass ich es mache. Ich will es nicht verheimlichen! Was ist das Problem? es ist eine ganz normale Tätigkeit wie jede andere! Es ist die einzige Möglichkeit, um mein Studium und Ausgaben zu finanzieren …
    Amira Passarge (Nina-Karlsruhe, Nina-München, bw7)

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