Circles: Das Comeback der Privacy

Facebook, Twitter et al. kann man durchaus als weiterentwickelte E-Mail- und/oder SMS-Dienste verstehen: Was man gerade macht oder gut findet, hat man früher per Mail verschickt.

Da konnte es schon mal passieren, dass man eine E-Mail versehentlich an den falschen Adressaten schickt. Passiert ja auch ziemlich leicht, wenn einem schon nach der Eingabe des ersten Buchstabens automatisch die passenden E-Mail-Adressen vorgeschlagen werden. Dann landet die E-Mail ruckizucki bei Hans Müller statt Hans Meier. Und das kann, je nach Inhalt, sehr peinlich sein.

Bei Facebook und Twitter schickt man seine Mitteilungen einfach per Default an alle: an die Öffentlichkeit. Da sind dann auch oft die falschen Adressaten drunter – z.B. bei den viel monierten Party-Fotos oder christdemokratischen Wein-Prahlereien:

„Christian von Boetticher präsentiert heute einen Fuligni Brunello di Montalcino 2004 mit 95 Punkten von Parker.“

Damit Fotos und Prahlereien keine unerwünschten Kreise ziehen, gibt es jetzt Circles (ausgerechnet von Google, und die Konkurrenz wird folgen):

„Der einfachste Weg, um einige Dinge mit engen Freunden zu teilen, andere mit der Familie, aber so gut wie nichts mit dem Chef.“

Dann überlegen die Verfasser der Status- und Like-Mitteilungen wieder vorher, wer diese lesen soll – und wer nicht.

Privates ist dann wieder privat. Und man kann mit Fug und Recht sagen: Wer sich dennoch an die gesamte Öffentlichkeit wendet, der ist im Zweifel selber schuld. Er hätte es ja einkreisen können.

Was bleibt dann von der sog. Postprivacy? Einerseits Deppen, die ihr eigenes Privatleben selbstverschuldet hinausposaunen.

Andererseits unschuldige Opfer, die durch staatlich verordnete Vorratsdatenspeicherung und vor allem aber durch rein privatwirtschaftliche Werbedienstleister wie Google und hierzulande Infonline getracked werden, ohne dem je zugestimmt zu haben.

Dank Circles & Co. wird sich die Datenschutzdebatte hoffentlich bald wieder dem Schutz vor anderen statt dem Schutz vor sich selbst zuwenden.

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Eine Antwort zu Circles: Das Comeback der Privacy

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