KFZ-Targeting bei McDrive, Tankstellen & Co.

Die erfolgreichen Methoden des Online-Marketings erobern nun auch die Offline-Welt. Nach erfolgreichen Pilotprojekten mit KFZ-Kennzeichenerkennung für Drive-Throughs, Tankstellen und Parkhäuser sollen die Versuche nun auf den Einsatz von RFID-Chips ausgeweitet werden.

Die KFZ-Kennzeichenerkennung wurde zunächst bei einzelnen sog. Drive-Throughs wie bspw. McDrive eingesetzt. Dabei wird für jedes KFZ-Kennzeichen aufgezeichnet, welche Produkte wann bestellt wurden, um so Kundenprofile anlegen zu können. Ein typisches Kundenprofil sei „A-BC 123 kommt (fast) jeden Dienstag Nachmittag und bestellt zwei Junior-Tüten mit Fanta ohne Eiswürfel und McNuggets sowie ein Big-Mac-Menü mit Coke“.

Dank dieser Daten wird es möglich, erstens Bestellvorgänge zu beschleunigen und zweitens individueller auf die Wünsche der Kunden einzugehen. Die Beschleunigung sei vor allem zu Stoßzeiten relevant. Noch bevor die Autos in der Wartschlange ihre Bestellung aufgeben konnten, errechnet das System automatisch die wahrscheinlichste Bestellung, so dass diese bereits vorbereitet werden kann. Die Wartezeiten in Stoßzeitem konnten damit bereits um 13 Prozent verringert werden. Auch individuelle Vorlieben wie „McRib ohne Zwiebeln“ können so deutlich schneller bedient werden.

Datenschutzrechtiche Bedenken werden dabei von den Betreibern und ihrem Dienstleister zerstreut: Das System automatisiere lediglich Prozesse, die eben so ohnehin bereits von Menschen durchgeführt wurden – sich also zu merken, wer was mag, ohne dessen Namen zu kennen. Das KFZ-Kennzeichen sei nur ein Pseudonym, der Klarname bleibt unbekannt. Jeder Tatort-Zuschauer wisse, dass nur die Polizei zu einer Halteranfrage bei der KFZ-Zulassungsbehörde berechtigt sei.

„Das KFZ-Kennzeichen ist aber für den normalen Betrachter kein personenbezogenes Datum, sondern ein Pseudonym, da er regelmäßig keine Möglichkeit hat, das Kennzeichen einer Person zuzuordnen.“

Inspiriert vom Online-Marketing wurden dann in einem zweiten Schritt die erfassten Daten über verschiedene Filialen hinweg geteilt, in einem dritten Schritt auch zwischen verschiedenen Unternehmen. Die zugrundeliegende Software kann überall dort eingesetzt werden, wo Überwachungskameras ohnehin vorfahrende Autos erfassen. Nach Drive-Thoughs wurde das System daher vor allem auf Tankstellen und Parkhäuser ausgeweitet. Die Software arbeitet als Plug-In innerhalb der Software der Überwachungskameras. Erfasst i.S.v. gescannt wird lediglich das KFZ-Kennzeichen, die Gesichter der KFZ-Insassen werden aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erfasst bzw. geschwärzt. So wird es möglich, sehr viel wertvollere Profile anzulegen, die auch Rückschlüse auf z.B. Kino- und Baumarktbesuche zulassen.

Verglichen mit Online-Profilen seien die Offline-Profile auf Basis der KFZ-Kennzeichenerkennung aber noch sehr oberflächlich. Daher wird nun der Einsatz von RFID-Chips erwogen. Sie sollen den Autos in der Wartschlange mit einem Gebläse am Fahrzeugboden appliziert werden – genau so, wie im Internet Cookies auf den Festplatten der User abgelegt werden. Die superkleinen RFID-Chips am Fahrzeugboden beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit der Autos genausowenig wie die kleinen Cookies den Computer beeinträchtigen. Sie verschwinden bei der nächsten Fahrzeugwäsche von alleine und können natürlich auch sonst jederzeit durch den Fahrzeughalter vom Fahrzeugboden abgekratzt werden. Außerdem könne jeder Fahrer dem Einsatz von RFID-Chips widersprechen. Über deren Verwendung wird er in den AGB bzw. Datenschutzerklärungen informiert, die in den Schnellrestaurants und Parkhäusern kleingedruckt neben der Hausordnung ausliegen.

Aber selbst mit dem Einsatz der RFID-Chips blieben die Tracking-Möglichkeiten weit hinter denen der Online-Welt zurück: Anders als im Internet endet das KFZ-Tracking gewissermaßen am Parkhaus-Ausgang. Online-Cookies dagegen begleiten die Kunden bis in den Laden hinein.

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3 Antworten zu KFZ-Targeting bei McDrive, Tankstellen & Co.

  1. fasel schreibt:

    und nu? Ich sehe da kein Gefährdungspotenzial, du beschreibst ja selbst nur Vorteile (schnellere Bestellung).
    Und ein Funfact: Du brauchst gar keine fiktiven RFID-„Cookies“, die Sensoren moderner Autos (z.B. für Reifendruck) funken alle mit einer eindeutigen ID. go figure.

    • Bürger schreibt:

      zumal das im Handy-Zeitalter doch alles ohnehin schon direkt personen- statt KFZ-bezogen funktioniert. Aber auf die Handy-Ortsdaten hat McDoof wohl keinen Zugriff?
      Und viele Postprivacy-Spacken geben ihre Ortungsdaten sowieso freiwillig an foursquare und glympse.

  2. RAY schreibt:

    Interessant wäre hier wie dieses sog. Plugin lautet, welche Datenbank dahinter steckt um etwas tech. visiertere Info zu bekommen?!

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