Laudatio auf Eric Schmidt (Noch-CEO Google)

Ein ganz großer der Weltwirtschaft tritt zurück: Eric E. Schmidt (*1955), bis April 2011 Chief Executive Officer von Google und Berater des US-Präsidenten Barack Obama.

Google steht wie kaum ein anderes Unternehmen für die Vereinbarkeit von Gewinnstreben und Weltverbesserung, für ein konsequentes Handeln nach dem selbst auferlegten Anspruch „don’t be evil„.

Es ist Schmidts Verdienst, diesem zunächst fast etwas naiv und vor allem wenig konkret anmutenden moralischen Imperativ eine konkrete Manifestation, eine klare Handlungsanweisung gegeben zu haben: „Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.

Damit steht er kulturhistorisch in Erbfolge von Immanuel Kant, dessen kategorischer Imperativ prägend für die Moralgeschichte des Abendlandes ist: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“.

Im fortschrittsskeptischen „Old Europe„, hier allen voran in Deutschland, stießen Schmidts Visionen oft auch auf Gegenwehr, wie zuletzt beim teils erbitterten Widerstand quer durch alle politischen Lager gegen Googles Street View. Dabei ist Google-Schmidts Ansatz von bestechender, geradezu genialer Einfachheit: Wer nichts böses tut, hat auch nichts zu verbergen.

Unter Schmidts Führung hat Google seinen Umsatz auf 30 Mrd. Dollar mehr als verzehnfacht und dabei mit weniger als 25.000 Mitarbeitern extrem personalkosteneffizient gewirtschaftet. Zum Vergleich: Bertelsmann benötigt für nur halb so viel Umsatz (15 Mrd.) etwa viermal so viele Mitarbeiter (ca. 100.000).

Die oft feindselige Haltung der deutschen Politiker und Bürger hat Schmidt nicht unberührt gelassen: Zwar gilt Deutschland als der drittgrößte Umsatzmarkt für Google (nach den USA und UK), der Google-Marktanteil an allen Suchanfragen im Internet ist hierzulande mit über 89% sogar deutlich höher als in den USA (63%) – direkte Arbeitsplätze hat Google dagegen in Deutschland kaum geschaffen: Das weltweit zweitgrößte Google-Büro befindet sich in Zürich in der neutralen Schweiz und bietet Platz für über 300 Mitarbeiter.

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2 Antworten zu Laudatio auf Eric Schmidt (Noch-CEO Google)

  1. Proazra schreibt:

    „Wer nichts böses tut, hat auch nichts zu verbergen.“

    Aha, bin gespannt, wann Google seine Such-Algorythmen veröffentlicht. Oder Eric Schmidt eine Website einrichtet, auf der man jederzeit sein Handy tracen kann, um ihm mal „hallo“ sagen zu können. Oder ein Ei an den Kopf werfen.

    Jeder hat Geheimnisse und eine Privatssphäre, die es zu schützen gilt.
    Ich empfinde Google eigentlich ebenfalls (noch) nicht als „evil“, allerdings halte ich diese Laudation dann doch für unangemessen.

  2. Pingback: Circles: Das Comeback der Privacy | vdsetal

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